Die Vorlesungsreihe “Public Health goes Immunology” integriert Wissen aus dem Bereich der Bevölkerungsperspektive mit den Erkenntnissen aus zellulärer Forschung. Wissenschaftlichkeit und Aktualität sind die Hauptprinzipien in dieser mit Dr.med. Florian Stigler gemeinsam gestalteten Vorlesung. Hier finden Sie aktuelle Zusammenfassungen und Inhalte.

 

  Einführung in das bio-psycho-soziale Modell
 

Einflüsse auf die Dynamik von Gesundheit und Krankheit kommen aus verschiedensten Richtungen. Die Verbindung aus psycho-sozialen Einflüssen auf das biologische Korrelat des Immunsystems bedingt eine Grundprägung des individuellen "immunologischen Fingerabdruckes". Die evolutionäre biologische Komponente des Körpers trifft hier auf das aktuelle psycho-soziale Netzwerk, welches den Menschen in seiner Existenz beeinflusst und auch prägt. Diese Prozesse bringen das Immunsystem in eine Vermittlerrolle. Zusammenhänge aus psycho-sozialen Hintergründen von Lebenserwartung (www.youtube.com) und Darmimmunologie bringen hier spannende Einblicke in die Welt von "Public Health goes Immunology". (www.youtube.com)

(J.L. Round, Sarkis K. Mazmanian, 2009, "Microbiota in Health and Disease", Nature Reviews Immunology, Vol9, May 2009, 313-324; )



  Paradigmenwechsel: Darmflora und Immunsystem
 

Die Darmflora steht seit einiger Zeit im Fokus der Wissenschaft. Ergebnisse aus der Immunologie zeigen die wichtige Rolle im Aufbau der Toleranz des Immunsystems. Toleranz bezeichnet hierbei die Fähigkeit des Immunsystems körperfremde, wie auch körpereigene Strukturen zu tolerieren. Dabei spielt die sogenannte "Bystander suppression" eine wichtige Rolle: spezielle Immunzellen (Tregs) werden stimuliert, um diese Toleranz zu gewährleisten. Störungen dieser Funktion zeigen sich in Erkrankungen aus dem allergischen und aus dem autoimmunologischen Formenkreis. Anscheindend stellt die Darmflora ein Repertoire aus einem regulatorischen "Pool" dar. Dies rückt die Darmflora mehr in das Rampenlicht von immun-mediierten Erkrankungen.

(Gary Hufnagle "GI Microbiota and Regulation of the Immune System", Vol 635,2008; Francisco Guarner "The enteric Microbiota", 2012; Graham Rook "The Hygiene Hypothesis and Darwinian Medicine" 2009; Nature Special "Human Microbiota" www.nature.com )



  Lifestyle Medizin: Bewegung/Metabolismus/Risiko
 

Der Zusammenhang zwischen Zigarettenkonsum und Sterblichkeit ist schon lange bekannt. Neueste Studien zeigen wie soziale Isolation und Stress ein ähnlich hohes Sterberisiko anzeigen und weisen dabei auf die Bedeutung psychosozialer Hintergründe hin. 

Einblicke in die Mechanismen von Herz-Kreislauf-Erkrankungen gibt auch der Sonderfall Psoriasis. Patienten mit dieser entzündlichen Hauterkrankung weisen ein bis zu vierfach erhöhtes Risiko für eine Herz-Kreislauf-Erkrankung auf, d.h. allein die Präsenz von Entzündungsmediatoren steigert das Risiko einer Gefäßentzündung und das Auftreten von Typ-2 Diabetes, Bluthochdruck und Übergewicht und gibt wieder einen Einblick in die multifaktorielle Entstehung dieser Lifestyle-Erkrankungen.

(Holt-Lunstad et al. 2013, BMJ; Flegal et al. 2013, JAMA; Russ et al. 2013, BMJ; Nature Vol. 492, No.7429, Outlook Psoriasis)



 

Körper-Geist-Seele: Von C.G. Jung zur Psychoimmunologie

 

Der Psychiater C.G. Jung beschäftigte sich vor allem mit den Phänomenen des Unbewussten. Seine Begeisterung galt dem "Dunklen" und den "Tiefen" der Seele des Menschen. Seine Erkenntnisse sind noch heute von Bedeutung und spielen eine große Rolle in der Psychosomatik. "Die Weisheit des Körpers" wird oft als reines Symptom verstanden. Der Film "Nachtmeerfahrten" zeigt die Denkweise von C.G. Jung und die Bedeutung für die moderne Medizin. (www.youtube.com)

Eine bedeutsame Brücke zwischen Psyche und Immunsystem spiegeln die Erkenntnisse von Kevin Tracey wider. In seiner Arbeit "the inflammatory reflex" zeigt er, wie der Nervus Vagus, Hirnnerv und Repräsentant des parasympathischen Nervensystemes, die Möglichkeit besitzt, spezielle Immunzellen zu hemmen. Durch diese Hemmung können die Immunzellen (Makrophagen) keine Entzündungsstoffe mehr aussenden. Dies könnte eine wichtiger Hinweis für Phänomene wie Tag-Nacht Rhythmus und Sterblichkeit, aber auch Stress und Sterblichkeitsrate sein.

(C.G. Jung "Die Archetypen und das kollektiv Unterbewusste"; Tracey et al. 2002; Flegal et al. 2013, JAMA; )





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